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Donnerstag, 16. Oktober 2014

Update

#1: Mission DIRE erfolgreich. Nachdem die migracao in Xai-Xai uns aus dem Land werfen wollte bis zum 11.10., gelang es uns zum Glück doch noch in Maputo das Visum zu bekommen. In unserer Verzweiflung kamen wir schon auf verrückte Ideen, wie eine Scheinheirat, nur um hier zu bleiben….
#2: Die Arbeit geht voran. Wir haben Beete neben dem Büro angelegt, wo wir schon Bohnen und Mais anpflanzten, nachdem wir mit dem selbst gemachten Kompost gedüngt haben. Leider fehlt immer noch ein Wasseranschluss, sodass es Wasserschleppen heißt. Hoffentlich bald auch auf afrikanische Art auf dem Kopf :p

#3: Wahlen. Waren gestern, alles verlief recht ruhig. In den Schulen wurde gewählt und wir gingen auch mal bei der secundaria, der Schule hier gleich um die Ecke, vorbei und beobachteten ganz „unauffällig“. Viele Leute waren da, standen in Schlangen oder quatschten einfach nur nach der Wahl, immerhin war der Mittwoch ja durch die Wahl arbeitsfrei. An sich laufen die Wahlen wie bei uns ab, Unterschied ist, das man danach seinen Finger in Tinte taucht, damit man nicht nochmal wählen kann. Zudem: die Ergebnisse lassen auf sich warten. Vor nächster Woche wird man nicht erfahren wer gewinnt…

#4: Sprache=Portugiesisch, geht mittlerweile, aber ist definitiv noch ausbaufähig…vorallem der Akzent muss noch diminuiert werden. Englisch, spreche ich im Unterricht und mit manchen Leuten, die es können, hilft auf jeden Fall auch mein Englisch zu verbessern, was neben Deutsch hier fast meine 2. Muttersprache zu sein scheint (denken auch viele, bzw. nimmt man an es wäre Englisch), Changanga=basic, basic…ein paar Wörtchen wie „lixile“ (Guten Morgen) kann ich schon und versuche sie z.T. anzuwenden, doch um es richtig zu lernen muss ich mir erst ein Buch zum Lernen kaufen

#5: Essen=nach wie vor vieeeel (Monja stiftet mich immer wieder an :p), Bohnen, Xima, badgias, Maniok…typisch deutsche Sachen bzw. so besondere Sachen aus dem Kühlschrank essen wir wg des Preises bzw. der fehlenden Kühlmöglichkeit fast gar nicht. Auch Sachen wie Schokolade und Co vermisse ich nicht mehr sooo sehr…Obwohl; wenn ich bedenke was für Weihnachtsleckereien jetzt bei euch im Regal stehen werde ich schon etwas wehmütig…Aber hungern muss hier (gegen das Afrika-Klischee) niemand (soweit ich es bisher gesehen hab, im Gegenteil ist man eher sehr viel).

#6: Dachte ja; so anders ist die Kultur nicht und alles läuft ja auch soweit, doch mit der Zeit fallen doch schon die ein oder anderen Sachen auf. Gerade durch Missverständnisse. Zum Beispiel ist man hier weniger direkt und sagt nicht gleich der anderen Person die Wahrheit ins Gesicht, wenn sie z.B. was falsch gemacht hat. So erfuhren wir z.B. erst um drei Ecken davon, das wir uns in der migracao wohl zum Teil „zu offensiv“ verhalten haben…mit diesem Wissen, des Undirektseins, klären sich einige Sachen. 

Mittwoch, 10. September 2014

Jetzt wird’s kriminell: Illegal in Afrika

Ja, es stimmt. Ich bin nun offiziell illegal in Mosambik. Ohne gültiger Aufenthaltsgenehmigung. Ich dürfte so gar nicht im Land sein, fühle mich fast schon wie ein krimineller Flüchtling, der ein Versteck weit weg von seiner Heimat sucht. Derweil möchte ich doch nur ein Jahr hier für meinen Freiwilligendienst bleiben!
Kann es denn so schwer sein ein Visum zu bekommen? Oh ja, schwerer als schwer! Letzte Woche begann „Der Prozess“ (das Ganze Bürokratiegehabe in dieser mysteriösen Behörde wirkt auf mich doch sehr kafkaesk; undurchschaubar, sinnlos, und vor allem bin ich diesem ausgeliefert). Mit Luis wollten Monja und ich das DIRE, das Aufenthaltsvisa für ein Jahr beantragen, was sage und schreibe 19800 Meticais d.h. fast 500 Euro kostet!!! Teuer heißt aber auch hier nicht gut, obwohl man das doch bei diesem monströsen Betrag erwarten sollte. Angeblich kann es uns nicht ausgestellt werden, da ein Dokument von einer mosambikanischen Behörde fehlt.
Nachdem wir also letzte Woche zweimal bei der migracao waren-erfolglos-mussten wir Zwecks der Verlängerung des 30 Tage Visums, was diese Woche ausgelaufen ist, zurückkehren. Gestern war dann der Chef der Behörde nicht da, wie die klischeehaft wichtigtuende Büromatrone (im Dienste des Staates und zum Wohle des Bürgers-natürlich!), blitzschnell nach 10 Minuten merkte. „Jede Behörde hat ihre Arbeitsweisen“, so frei darf ich diese Frau mal zitieren. Das ist schon wahr, aber wahrscheinlich wollte sie damit die Strukturiertheit ihrer Behörde unterstreichen, und nicht über die sehr perfiden und abstrusen „Arbeitsweisen“ sprechen, die hier angewandt werden, wo sich fünf Angestellte über ein Dokument beugen, um es zu begutachten, oder die Sekretärin permanent an ihrem Handy herumspielt-Entschuldigung, arbeitet!
Wie man sich schon denken kann; auch der heutige Besuch verlief erfolglos. Nur jetzt wird es problematisch: unser Visum ist abgelaufen und wir sind nun sozusagen illegal hier. Daher müssen wir schnellstens nach Maputo fahren, wo wir dann morgen hoffentlich das verlängerte Visum bekommen werden.
Ich kann nun wirklich mit Flüchtlingen, die einfach nur legal in einem Land leben möchten, arbeiten wollen und einfach alles dafür geben würden, mitfühlen. Es wird einem so schwer gemacht und das ohne rationalen Grund!
Oder vielleicht gibt es da doch einen Grund: Geldgier! Long live the corruption! Möglicherweise würden wir mit Bestechung am Ende billiger kommen (rechnet man die Strafgelder, Chapafahrten, verlorene Zeit, etc. ein) und hätten wesentlich weniger Stress, doch das Letzte was man tun darf ist nachgeben und diesem Korruptionsmonster fressen zu zuwerfen. Sonst wird es immer gieriger und gieriger, die Antragssteller mehr und mehr schikaniert. Korruption ist in keiner Form eine Lösung auf langfristige Sicht!


Fazit bisher: Nicht aufregen, ich kann´s eh nicht ändern. Geduld bewahren und trotzdem glücklich sein. Am Ende gilt doch: keine Erfahrung ist je vergebens